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Riesling-Lounge (ein Lamento)
Von Torsten Goffin
Ein viel gesungenes Klagelied weininteressierter Menschen (nicht nur) in dieser Stadt behauptet ja, es gäbe in der Gastronomie keine Angebote, die es ermöglichten in unkompliziertem Rahmen vernünftige Weine zu trinken. Insbesondere für Freunde von Weinen aus deutschen Landen, namentlich jene des Rieslings, sähe es mehr als finster aus. Gut, es da wären ein bis zwei Ausnahmen in Form von Restaurants medienbekannter Sommelièren, aber ansonsten sei es, was den Wein betrifft, eher zappenduster im hillige Kölle. Außerhalb von Restaurants gehe jedenfalls rein gar nichts, und wenn doch, dann gebe es nur Plörre, oder aber nur ganze Flaschen anstelle von offenen Weinen, oder aber nur zu Preisen, deren Kalkulation selbst abgebrühtesten Nightclub-Luden die Schamesröte ins Gesicht treiben würde.
Was wäre aber, wenn es sehr wohl einen Ort in der Stadt gäbe mit jeder Menge blitzsauberer Riesling-Weine im glasweisen Ausschank? Und das zu durchaus reellen Preisen? Ach, noch nie von gehört? Sehen Sie, da geht es Ihnen wie den meisten. Und genau das ist das Problem: Denn es gibt diesen Ort – aber niemand geht hin, weil niemand davon weiß…
Dabei gibt es die Riesling-Lounge, so der Name des Orts, seit Anfang November 2009. Und sie hat ein ganz einfaches, ebenso puristisches wie überzeugendes Konzept: Auf der Karte findet sich ausschließlich Riesling. Jedenfalls, wenn man von einem kleinen Sündenfall in Form eines Sekts, in dessen Cuvee sich auch ein wenig Weißburgunder befindet, einmal absieht. Es sind insgesamt 18 verschiedene Positionen verzeichnet, alle deutschen Anbaugebiete sind vertreten, alle Weine sind glasweise zu Preisen zwischen 3,80€ und 6,20€ (für jeweils 0,15l) zu bestellen.
Die Riesling-Lounge ist zwar ein Konzept, das in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Weininstitut realisiert wird, für die Auswahl der Weine Karte zeichnet jedoch allein die Chefsommeliére des Excelsior Hotel Ernst, Theresa Rokosch, verantwortlich. Ihr ist eine sehr überzeugende und runde Mischung gelungen, wie ich finde. Große und bekannte Namen finden sich darauf ebenso, wie eher unbekannte Güter. Allen gemein ist nicht nur ihre Qualität, sondern auch die Tatsache, dass die jeweiligen Weine als treffendes stilistisches Exempel für ihr Anbaugebiet dienen können. Eventuellen Fragen zu den Weinen werden von der ebenso engagierten wie sympathischen Sommeliére übrigens gern beantwortet.
So ist die Auswahl eine Einladung an alle, die einmal unkompliziert den feinen Unterschieden nachspüren wollen, die die Rebsorte Riesling in den verschiedenen Anbaugebieten und auf den entsprechend unterschiedlichen Böden entwickeln kann. Mein Vorschlag: Gelblack/Schloss Johannisberg/Rheingau vs. Mineral/Emrich Schönleber/Nahe vs. Auf der Mauer/Bassermann-Jordan/Pfalz. Am besten direkt nebeneinander, was, wenn man zu zweit oder dritt ist, nun wirklich kein Problem darstellen sollte.
Neben den Weinen finden sich auch selbstverständlich auch noch ein paar kleine Speisen auf der Karte, die man, vor allem in Anbetracht des sonstigen Niveaus des „gastgebenden“ Hotels, ebenfalls sehr, sehr fair kalkuliert nennen muß. Mehr Details dazu (und zu den angebotenen Weinen) finden sich auf dem PDF der aktuellen Karte.
Ausgesprochen lobend erwähnen muss man auch den jungen, engagierten und aufmerksamen Service. Es ist wirklich schade, dass all das nicht mehr Beachtung findet. 5 Monate nach der Eröffnung ist die Lounge alles andere als überlaufen – an beiden Abenden meiner Besuche war ich mit meiner jeweiligen Begleitung jeweils der einzige Gast. Zugegeben, die Domprobst Ketzer Gasse ist ziemlich das genaue Gegenteil einer Lauflage und auch recht weit ab vom Schuss in Sachen Nightlife. Aber alleinige Gäste im Verlauf eines Freitag-Abends, das stimmt dann doch eher nachdenklich.
An Preis und Qualität des Angebots liegt die schwache Beachtung jedoch keinesfalls, das möchte ich zum Abschluss noch einmal ausdrücklich betonen. Vielleicht ist es ja eher die Schwellenangst vor dem die Lounge umgebenden Luxus-Hotel. Die ist jedoch völlig unnötig – zumal die Lounge über einen eigenen, separaten Eingang verfügt. Einzig bei der Gestaltung der Räume kann man die Herkunft nicht ganz verbergen. Die Optik gemahnt dann eben doch eher an den Ableger eines „Leading Hotels of the World“, als an das, was sich der gemeine (berufs)jugendliche Nachtschwärmer unter einer Lounge vorstellt.
Alles in allem aber bleibt nur zu hoffen, dass mehr Bürger und auch Gäste dieser Stadt das Angebot für sich entdecken und so den Fortbestand einer kleinen Perle für Weinfreunde auch in Zukunft sichern...
Riesling-Lounge im Excelsior Hotel Ernst
Seperater Eingang von der Domprobst Ketzer Gasse
Täglich geöffnet von 17:00 bis 23:00
Telefon: 0221 270-3483
